
Turmgeschichten
"Der Trafoturm war für mich ein Rückzugsort"

Die Ausstellung “Turmgeschichten” im Haus Schwenger (Paderborner Dorf) zeigt Erinnerungen von Zeitzeug:innen an den Trafoturm aus Marsberg, der 1997 ins Museum transloziert worden ist. Im Rahmen einer Museums-AG machten sich Schülerinnen und Schüler des Carolus-Magnus-Gymnasiums Marsberg auf die Suche nach Erinnerungen an den Trafoturm. Sie starteten einen Zeitungsaufruf, entwickelten einen Fragenkatalog und führten mit den gefundenen Zeitzeug:innen Interviews. Darüber hinaus recherchierten sie im Marsberger Archiv und brachten ihre Ideen und Materialien in die Ausstellung ein.
In enger Zusammenarbeit mit unserer wissenschaftlichen Volontärin Sabine Markwirth entstand so eine Ausstellung, die von den Schüler:innen aktiv mitgestaltet wurde. Nach ihrer Präsentation im Museum wird die Ausstellung “Turmgeschichten” in Marsberg gezeigt werden – an dem Ort, von dem die Geschichten erzählen.
Dem Zeitungsaufruf der Schüler:innen folgten fünf Marsberger:innen, die ihre Geschichten und Erinnerungen an den Trafoturm aus Marsberg gerne teilten: Heinz Blome, Rolf Dicke, Josef Mühlenbein, Gerd Rosenkranz und Brunhilde Schulte. So entstanden vier spannende Interviews, die eine ganz neue Perspektive eröffnen - der Turm aus der Sicht von Kindern.
Die Zeitzeug:innen teilen ihre Kindheitserinnerungen und geben Einblicke in das Aufwachsen in der Nachkriegszeit. Sie berichten von großer Armut, von Strenge in Schule und Zuhause, aber auch von Freiheit und Gemeinschaft, die sie mit dem Spielen rund um den Turm verbinden.
Alle vier Interviews können unsere Gäste in der Ausstellung nachlesen. Sie werden durch die gezeigten Exponate und Stationen für den Hör- und Geruchssinn ergänzt. Zudem besteht die Möglichkeit, einen ganz eigenen “Trafoturm der Zukunft” zu gestalten und so selbst einen Teil zur Ausstellung beizutragen.

„Das Trafohäuschen war immer da.“
Für Heinz Blome war der Trafoturm selbst eher unscheinbar, während die Umgebung – Sägewerk, Fabriken und das geschäftige Treiben – die Kindheit prägte. Der Turm gehörte zum Alltag, wurde Treffpunkt und Spielraum, aber auch gelegentlich zum Ärgernis, und spiegelte so die Nachkriegserfahrungen und die Freiheit des Aufwachsens in Marsberg wider.
„Für uns war das einfach Arbeit.“
Für Rolf Dicke war der Trafoturm lange Zeit ein gewöhnlicher Arbeitsplatz, geprägt von Wartung, engen Räumen und alter Technik. Emotionen spielten dabei kaum eine Rolle – doch heute schätzt er den Turm als Zeugnis früherer Energieversorgung und faszinierende historische Technik, deren Nutzung sich bis in die Gegenwart vielfältig verändert hat.
„Ein Stück Kindheit.“
Für Brunhilde Schulte und Josef Mühlenbein war der Trafoturm ein vertrauter Teil ihrer Kindheit zwischen Bahngleisen und Diemel: ein Ort zum Spielen und Verstecken, aber auch ein Symbol für Respekt vor der Technik. Als er abgebaut wurde, bedeutete dies ein Stück verloren gegangene Kindheit, das eng mit den Erinnerungen an das Aufwachsen in einfachen, aber lebendigen Verhältnissen verbunden ist.
„Der Trafoturm war für mich ein Rückzugsort.“
Für Gerd Rosenkranz war der Trafoturm ein vertrauter Teil seiner Kindheit – unscheinbar selbst, aber eingebettet in ein lebendiges Umfeld aus Fabriken, Bahngleisen und Lagerplätzen. Er diente als Rückzugsort, Versteck und Symbol für die Freiheit draußen, während er die Nachkriegszeit in einfachen, aber abenteuerlichen Verhältnissen erlebte.
