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Trauer am Lippischen Meierhof

Trauerfeier am Lippischen Meierhof

Der Lippische Meierhof wurde 1570 erbaut und 1707 erweitert. Seit Generationen ist der Hof im Besitz der Familie Meier Barthold. 

Ein kalter Dezembermorgen im Jahr 1859: Auf dem Hof herrscht Trauer – Hermann Ernst Meier Barthold ist zwei Tage zuvor an Tuberkulose gestorben. Er ist 65 Jahre alt geworden und lebte zuletzt mit seiner Frau Luise Charlotte im Altenteiler des Hofes. Den Hof mit großem Viehbestand hat er an seinen Sohn übergeben. 

Das Pendel der Uhr wurde angehalten und wird erst nach der Bestattung wieder in Gang gesetzt. Auch der Spiegel ist verhängt, um zu verhindern, dass der Verstorbene sein eigenes Bild erblickt und zurückkehrt. Der Meierhof ist ein protestantischer Haushalt, viele der in dieser Zeit noch üblichen Bräuche sind aber eher dem Aberglauben entsprungen oder haben hygienische Gründe. Die Trauergäste kommen, um zu Kondolieren und die Totenwache zu halten. Der Sarg mit dem Leichnam ist in der Diele unter der Dachluke aufgebahrt. Der Glaube, dass die Seele der Verstorbenen ins Freie entweichen muss, ist noch sehr verbreitet. 

Die Familie hat persönliche Dinge von Hermann Meier Barthold, wie den Ehering und eine Bibel in den Sarg gelegt. Morgen wird der Pfarrer die letzte Segnung vornehmen, bevor der Sarg in einem Trauerzug zur Bestattung zum Friedhof gebracht wird. Der für diesen Zweck umgebaute und geschmückte Leiterwagen steht in der Diele des Altenteilers bereit. 

Der Leichenwagen

Auf vielen Höfen fertigten die Angehörigen den Sarg selbst an. Genau für diesen Zweck lagerten bereits Holzbretter auf dem Dachboden. Der Tote wurde einige Tage im offenen Sarg aufgebahrt. Bevor der Sarg auf dem Leichenwagen zum Friedhof gebracht wurde, hielt der Pastor eine kurze Ansprache. Besonders wichtig war, den Toten mit den Füßen voran aus dem Haus zu tragen. Wie bei anderen Bräuchen auch, sollte verhindert werden, dass der Tote „wiederkommt oder jemanden aus der Familie nachholt“.

Die Särge trugen bis ins frühe 20. Jahrhundert hinein Nachbarn und Angehörige oder sie wurden auf einen von Ochsen gezogenen Leiterwagen zum Friedhof gefahren. Die für diesen Anlass gesäuberten und mit Stroh ausgelegten Wagen wurden sonst in der Landwirtschaft eingesetzt. Für die Beerdigung wurden sie oft mit Tannengrün geschmückt. 

Wie auch andere Textilien, die mit dem Toten oder dem Sarg in Berührung kamen, galten die weißen Handschuhe der Sargträger als unrein und wurden nach Herunterlassen des Sarges in das Grab geworfen. Nach der Beisetzung fand der Trauergottesdienst in der Kirche statt. Bei großen, öffentlichen Beerdigungen nahm oft das ganze Dorf teil. Häufig kam man nach dem Gottesdienst im Wirtshaus zusammen und es wurde auf Kosten der Hinterbliebenen getrunken oder es wurde zu Kaffee und Kuchen in das Trauerhaus eingeladen. 

Vorbereitung des Toten und Aufbahrung

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war besonders auf dem Land die Aufbahrung der Toten im Haus ganz selbstverständlich. In den großen Dielenhäusern geschah dies unter der Dachluke. Hier gab es am meisten Platz für Gäste. Auch Hochzeiten wurden hier gefeiert.

Die Toten wurden gewaschen und mit einem weißen Toten- oder Leichenhemd bekleidet. Damit der Mund sich nicht öffnete, wurde der Unterkiefer mit einem Tuch fixiert. Die Augen des Toten wurden geschlossen, in einigen Regionen wurden Münzen auf die Augen oder ein „Zehntpfennig“ in den Mund gelegt. Diese Aufgaben übernahmen oft Nachbarinnen oder Hebammen. In manchen Dörfern gab es auch sogenannte „Totenfrauen“. Die für das Waschen des Leichnams genutzten Utensilien wie Seife, Bürste und Handtuch legten sie anschließend mit in den Sarg, da diese Gegenstände nun als unrein galten. Vor dem Schließen des Sargdeckels wurde der Tote mit einem Leichentuch zugedeckt. Die Nachbarinnen hatten auch die Aufgabe, die Umgebung über den Todesfall und das Datum der Trauerfeier zu informieren. Der Sarg stand in der Regel auf einfachen Holzböcken und war bis zur eigentlichen Bestattung offen. Unter dem Sarg wurde Stroh auch aus hygienischen Gründen ausgebreitet, das wiederum mit weißen Laken abgedeckt und manchmal mit Tannenzweigen geschmückt wurde. Um den Toten zu Ehren und Abschied zu nehmen hielten Angehörige bis zur eigentlichen Bestattung die Totenwache ab. Neben dem Sarg stand häufig ein Tisch mit Kerzenleuchtern und einer Bibel.

Objekte im Lippischen Meierhof

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