

Spanschachtel
Die kleinformatige Spanschachtel ist handbemalt und trägt auf dem Deckel die Datierung „Anno Domini 1675“. Sie zeigt nahezu formatfüllend im Hochformat die figürliche Darstellung eines Mannes in der Kleidung des 17. Jahrhunderts. Oberhalb der Figur befindet sich die Inschrift „Im Namen des Herrn“. Im unteren Bildbereich sind schematisch Haus- und Siedlungssilhouetten angedeutet. Das zentrale Motiv wird von einer umlaufenden, rotbraunen Randzone gerahmt. Die Malerei ist in den Farben Rot, Braun, Weiß und Schwarz ausgeführt. Aufgrund des heutigen Erhaltungszustandes wirkt die Farbigkeit insgesamt dunkel; ursprünglich dürfte die Leuchtkraft deutlich stärker gewesen sein. Es ist davon auszugehen, dass weitere Farbnuancen der ursprünglichen Farbfassung verloren gegangen sind. Die Zargen der Schachtel sind braun gefasst und mit regelmäßig aufgebrachten grünen Tupfen dekoriert. Der Schachtelkorpus ist vollständig erhalten.
Spanschachteln waren seit der Frühen Neuzeit verbreitete Behältnisse des Alltags und dienten der Aufbewahrung unterschiedlichster Gegenstände. Während schlichte, unbemalte Schachteln weit verbreitet waren, entstanden dekorativ gestaltete Exemplare mit figürlicher oder ornamentaler Bemalung erst in größerer Zahl im 18. Jahrhundert. Die Blütezeit der bemalten Spanschachteln lag im Zeitraum zwischen etwa 1750 und 1850; deutlich ältere, datierte Stücke sind selten und nur in wenigen Einzelfällen überliefert. Spanschachteln mit figürlicher Bemalung aus dem 17. Jahrhundert gehören daher zu den frühesten bekannten Beispielen dieser Objektgattung und nehmen innerhalb des Gesamtbestandes eine besondere Stellung ein. Das macht diese Spanschachtel zu einem besonderen Objekt unserer Museumssammlung. Gedruckte Dekore wurden erst ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf Spanschachteln aufgeklebt und sind für frühere Exemplare nicht belegt. Der heute gebräuchliche Begriff „Haubenschachtel“ ist eine spätere Zuschreibung aus der jüngeren Trachtenzeit und war zur Entstehungszeit der Schachtel noch nicht gebräuchlich. Der Herstellungs- und ursprüngliche Verwendungsort der Schachtel ist nicht bekannt. Aufgrund von Form, Verarbeitung und Bemalung wird in der Forschung Thüringen, insbesondere der Thüringer Wald, als wahrscheinliche Herstellungsregion diskutiert. Von dort aus gelangten Spanschachteln über Handelswege auch in andere Regionen.
Schlagworte
Objektdaten
- Höhe 14 cm
- Breite 20.5 cm
- Länge 36 cm






